Nachruf auf Prof. Dr. Wolfgang Jacobmeyer
Zu unserem großen Bedauern hat uns die Nachricht vom Tod Wolfgang Jacobmeyers erreicht, der am 12. Juni 2026 plötzlich und unerwartet im Alter von 85 Jahren in Münster verstorben ist.
Seine Verdienste um die Erforschung der Geschichte der deutsch-polnischen Beziehungen und um deren didaktische Vermittlung in Bildungsmedien lassen sich kaum hoch genug einschätzen.
Nachdem Wolfgang Jacobmeyer 1971 mit seiner Dissertation Heimat und Exil über die Anfänge der polnischen Untergrundbewegung im Zweiten Weltkrieg promoviert worden war und anschließend als wissenschaftlicher Referent am Institut für Zeitgeschichte in München gearbeitet hatte, wurde er 1978 zum stellvertretenden Direktor des Georg-Eckert-Instituts in Braunschweig berufen. Dort wirkte er maßgeblich am weiteren Aufbau des Instituts mit, das erst wenige Jahre zuvor gegründet worden war. 1991 wechselte er als Nachfolger von Karl-Ernst Jeismann auf den Lehrstuhl für Neuere und Neueste Geschichte und Didaktik der Geschichte an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster, an der er bis zu seiner Emeritierung lehrte und forschte.
Seine wissenschaftlichen Arbeiten zur Zeitgeschichte, zu Quelleneditionen, zur Schulbuchforschung und zur Geschichtsdidaktik sind von bleibendem Wert. Besonders hervorzuheben sind seine Habilitationsschrift über die Displaced Persons in Westdeutschland, die Dokumentation Die deutsch-polnischen Schulbuchempfehlungen in der öffentlichen Diskussion der Bundesrepublik Deutschland (1979), die gemeinsam mit Imanuel Geiss herausgegebene Quellenedition Deutsche Politik in Polen 1939–1945. Aus dem Diensttagebuch von Hans Frank, Generalgouverneur in Polen (1980) sowie seine dreibändige Studie Das Deutsche Schulgeschichtsbuch 1700–1945.
Für seine wissenschaftlichen und organisatorischen Leistungen wurde Wolfgang Jacobmeyer mit bedeutenden Auszeichnungen geehrt, darunter dem Klaus-Mehnert-Preis für seine Habilitationsschrift (1983), dem Maria-Wawrykowa-Preis (2007) sowie der Daidalos-Medaille der Studienstiftung des deutschen Volkes (2019).
Für die Deutsch-Polnische Schulbuchkommission war Wolfgang Jacobmeyer über fünf Jahrzehnte hinweg eine prägende Persönlichkeit und Garant der Kontinuität. Als Mitglied des Präsidiums begleitete und bereicherte er ihre Arbeit mit außerordentlicher Sachkenntnis, großer Sorgfalt und unermüdlichem Engagement. Seine Beiträge fanden stets große Beachtung. Er war ein kritischer Begleiter der Arbeit der Kommission, dessen Kommentare und Einwände jedoch stets konstruktiv waren und dem gemeinsamen Anliegen dienten. Dank seiner guten Kenntnisse der polnischen Sprache war er für die polnischen Historikerinnen und Historiker sowie Geschichtsdidaktikerinnen und Geschichtsdidaktiker ein geschätzter Gesprächspartner und Mittler.
Seine Verdienste um die Arbeit der Deutsch-Polnischen Schulbuchkommission sind nicht hoch genug zu würdigen. Mit großem Engagement wirkte er an einem ihrer bedeutendsten Vorhaben mit – der Entstehung des deutsch-polnischen Geschichtsschulbuchs Europa – Unsere Geschichte.
Mit Wolfgang Jacobmeyer verliert die Deutsch-Polnische Schulbuchkommission einen herausragenden Historiker, Geschichtsdidaktiker und langjährigen Weggefährten. Sein wissenschaftliches Urteil, seine Erfahrung und sein persönliches Engagement werden uns sehr fehlen.
Die Mitglieder der Deutsch-Polnischen Schulbuchkommission blicken in Dankbarkeit auf viele Jahrzehnte der vertrauensvollen Zusammenarbeit mit Wolfgang Jacobmeyer zurück. Sie werden ihm ein ehrendes Andenken bewahren.